Ravizzas Kunstvita

Das Kunstschaffen von Gian Pietro Ravizza, eines gebürtigen Piemontesers aus Turin, der mehr als 30 Jahre in Zürcher Schulen italienische Sprache und Kultur unterrichtet hat, umfasst zwei Perioden.

Es begann im Jahr 1964. Damals wirkte Ravizza als Dozent an der Dolmetscherschule in Zürich. In seiner Freizeit suchte er nach Steinen, überall dort, wo es welche gab. So entstanden die sogenannten «Physiolithen». Diesen Ausdruck hat er selbst zusammengefügt aus zwei griechischen Wörtern: Physis (Natur) und Lithos (Stein). Das heisst nichts anderes als Steine, die in den Bergen, in Flussbetten und in Steinbrüchen zu finden sind. «Für Ravizza» schrieb A. Scholl «führen die Steine ein Eigenleben, dank ihrer Form, ihren Strukturen. Und diese Eigenheiten der Steine sind es, die Ravizza sieht, denen er nachgeht, die er bestimmt und die er ins Leben hervorruft, ohne mit Meissel oder Hammer den Steinen seinen eigenen Willen aufzwingen zu wollen.»

Eine Ausstellung dieser Physiolithen fand in der Halle des Hotels Leoneck an der Leonhardstrasse in Zürich statt. Hier kam Mister Jayton aus Australien vorbei, sah die ausgestellten Steine und erwarb sie allesamt. Heute sind die Physiolithen von Ravizza in der Macquarie Gallery in Sydney ausgestellt.

In der nächsten Zeit fand Ravizzas künstlerische Ader keinen Ausdruck mehr. Er arbeitete ab 1966 als gewählter Hauptlehrer für Italienisch in der Kantonsschule Rämibühl. Und die Steine? Leider…adieu!

Aber im Jahr 1974 (10 Jahre also nach dem Physiolithen-Exploit) bekam Ravizza wieder Lust, Kunst zu schaffen. Und er griff jetzt nicht mehr nach Steinen, sondern nach Bleistift und Pinsel und gab sich der Malerei hin. So entstanden seine «Gestalten der Phantasmagorie», die er teils witzig, teils schauerlich hervorzauberte. «Manche Bilder» schrieb die Presse «führen sogar in eine Sphäre, die jenseits dieser Welt zu existieren scheint. Dennoch sind ihre erheiternden Rüsselformern einer Wirklichkeit abgelauscht, die zum Weiterspinnen eigener Gedanken anregt. Denn diese ganze Gesellschaft von Trollen, Spukgestalten, Fabelwesen regt die eigene Phantasie an und macht sogar den eigenen Kopf nachdenklich.»